"Es sind die Menschen, die ein Haus besonders machen."

Dr. Helge Mensching im Interview zum 90-jährigen Firmenjubiläum

Seit 2017 ist Dr. Helge Mensching Geschäftsführer bei Heinz von Heiden. Im Interview spricht er über seine Arbeit, das Selbstverständnis des Unternehmens und die Entwicklung des Bauens und Wohnens.

Lieber Herr Mensching, 90 Jahre Heinz von Heiden! Was für eine Unternehmensgeschichte. Es gibt nicht viele Familienunternehmen, die bereits so lange und erfolgreich am Markt bestehen. Über 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tragen dazu mit ihrem Einsatz bei, einige schon seit Jahrzehnten. Wie fühlt es sich an, ein so wunderbares Team hinter sich zu wissen?
Es ist natürlich ein schönes Gefühl, mit so tollen Kolleginnen und Kollegen zusammenarbeiten zu können. Trotz der Größe des Unternehmens ist alles noch sehr familiär und wenig bürokratisch. Wir haben untereinander einen guten Austausch, und die Türen stehen jederzeit und für jeden offen. Ein gutes Team zu haben, ist nicht nur im Sport wichtig, sondern auch im Hausbau, denn allein kann man heutzutage kein Haus mehr bauen. Hausbau ist Teamwork und das klappt nur mit einer eingespielten und motivierten Mannschaft. Wie heißt es so schön im Fußball? Verlieren kann man alleine, gewinnen geht nur gemeinsam!

Sie sind sicherlich auch mit Ihren Kunden, den Baufamilien, in Kontakt. Für welche Werte steht das Familienunternehmen Heinz von Heiden ihnen gegenüber?
Ja, natürlich stehe ich auch mit unseren Baufamilien in Kontakt. Das ist auch ganz wichtig, um ein Gefühl für die Anforderungen unserer Kunden und Handwerker zu haben. So etwas kann man nicht durch Controlling von Zahlen und Fakten erhalten, das geht nur durch den persönlichen Kontakt. Besonders entscheidend ist, dass wir in unserem Handeln authentisch und integer sind. Wir möchten ein seriöser und verlässlicher Partner für unsere Baufamilien sein. In meinen Augen ist das für sie sehr wichtig, da ein Hausbau auch immer etwas von einer Expeditionsreise hat. Man hat zwar eine klare Vorstellung, bevor man auf die Reise geht, aber es kann immer noch einen Wetterumschwung oder sonstige Herausforderungen geben. Dann muss man kurzfristig, aber doch ruhig und bedacht handeln.

Den Baugenehmigungszahlen nach zu urteilen, ist der Bau eines Eigenheims immer noch ein absoluter Traum, der häufig an erster Stelle steht. Wie schätzen Sie die aktuelle Bedeutung von Wohneigentum ein?
Der Traum vom eigenen Zuhause mit grünem Garten ist gerade in diesen Zeiten so populär wie lange nicht. Obwohl Deutschland im internationalen Vergleich immer noch eine geringe Eigentumsquote in Bezug auf Wohnraum hat, erkennen immer mehr Menschen, wie schön es ist, Eigentum aufzubauen, anstatt das hart verdiente Einkommen in Form einer Miete einem Dritten zu überlassen. Durch ein eigenes Zuhause kann man sich unabhängiger und besser für die eigene Altersvorsorge aufstellen.

Was bedeutet die Digitalisierung im Zusammenhang mit dem Hausbau für Sie? Und welche Vorteile bringt sie mit sich, auch für unsere Baufamilien?
Die Digitalisierung ist natürlich auch in unserer Branche angekommen – und das ist auch gut so! Eine unserer Kernkompetenzen ist schon seit Jahrzehnten ein hoher Grad von Prozessdigitalisierung. Durch die neuen technischen Möglichkeiten ergeben sich ständig weitere Verbesserungsmöglichkeiten. Auch die Umwelt wird von diesem Trend profitieren, zum Beispiel durch Videoberatungen, die papierlose Bauakte, den papierlosen Versand von Dokumenten etc. Darüber hinaus können unsere Baufamilien mit unserem Bauherren-Online-Portal (BOP) permanent ihr eigenes Bauprojekt verfolgen und mit uns kommunizieren.

Wohnen und Arbeiten unter einem Dach werden mehr und mehr zum Thema. Was braucht es, um dem gerecht zu werden?
Durch Corona ist Wohnen und Arbeiten unter einem Dach deutlich zum Trend geworden. Derzeit wird zunehmend nicht mehr nur ein Arbeitszimmer, sondern gleich zwei Arbeitszimmer nachgefragt. Dabei ist es wichtig, dass Arbeits- und Privatbereich einigermaßen getrennt sind – und dass durch eine Lüftungsanlage die Luft immer sauber und frisch ist. Wenn Sie mittags in Ihrer Küche den Fisch zubereiten, möchten Sie am Nachmittag ja nicht bei der Videokonferenz mit
Fischgeruch in der Nase sitzen. Das Thema Wohngesundheit ist ohnehin ein wichtiges Thema, aber durch die zusätzliche Nutzung des Eigenheims als Arbeitsort wird das Thema in meinen Augen noch deutlich größer. Sie sind dann ja quasi 24/7 in Ihrem Haus.

Was meinen Sie, wie sieht unser Zusammenleben in Zukunft aus?
Ich gehe davon aus, dass Corona sowohl unsere Wirtschaft als auch unser Zusammenleben verändern wird. Die Landflucht wird sich verlangsamen bzw. sogar umkehren. Die Innenstädte werden sich durch die sich ändernden Einkaufsgewohnheiten verändern und an Attraktivität verlieren. Die Menschen werden sich zudem erst wieder an Menschenansammlungen gewöhnen müssen. Die Bereitschaft, hohe Mieten zu zahlen, wird geringer werden. Das eigene Zuhause im Grünen wird an Bedeutung gewinnen, auch als Urlaubsersatz. Hier sehe ich insbesondere Lagen im Speckgürtel der großen Städte wie auch Lagen in der Nähe von beliebten Kleinstädten an Attraktivität gewinnen.

Und was macht ein Haus für Sie zu einem Zuhause?
Schlussendlich sind es immer die Bewohner, durch die ein Haus zu einem Zuhause wird. Zahlen, Daten und Fakten wie Quadratmeter, Doppelgarage, PV-Anlage etc. spielen dabei keine Rolle – es sind die Menschen, die ein Haus besonders machen und ihm eine persönliche Note geben.

Wir bedanken uns fürs Gespräch und wünschen Herrn Dr. Mensching und seiner Familie weiterhin alles Gute.